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zuletzt aktualisiert:
11.12.2009

 

10. Dezember 2009


Lied des Tages: Jingle Bells Deutsche Version


Gedicht des Tages: Heiligabend

Erzählung: Der Weihnachtsmann der Willi hieß


Weihnachtswebcam des Tages:
Marienplatz in München,
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Heiligabend
Gabriele Noichl

An Heiligabend ist fürwahr für mich der schönste Tag im Jahr.
Der Weihnachtsbaum ist reich geschmückt, es duftet ringsum wunderbar.

Die Straßen, Häuser in der Stadt, sie leuchten hell zur Weihnachtszeit,
und ich genieße an dem Tag den lieben Frieden weit und breit.

Ich denke an den Gottessohn, das Leid der Menschen auf der Welt,
die Freudentränen und den Schmerz, denn niemand hat das Sein gewählt.

Die Chöre jubilieren laut, ich stimme froh mit ihnen ein.
Gemeinsam beten wir zu Gott, uns soll die Schuld vergeben sein.

Das Schenken macht mir große Freud’, erfüllt bin ich von Dankbarkeit.
Geborgen fühle ich mich heut’ und spüre auch Zufriedenheit.

Die nette Geste freut mich sehr, die Freundschaft, Liebe reflektiert.
Das Festmenü, der gute Wein, ich bin von allem sehr gerührt.

Und weil ich leider niemals weiß, was mir ein neuer Tag beschert,
behalt’ ich ihn in meinem Herz, bis Heiligabend wiederkehrt.

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Der Weihnachtsmann,
der „Willi“ hieß

(Weihnachten 1945 )

Fritz Rubin, Othfresen, 1997

Der 2. Weltkrieg war vorbei.
Deutschland lag in Trümmern, es war das große Atemholen nach einem sinnlosen Morden. Europa weinte.
Irgendwo in Deutschland, eine kleine Stadt, fast verschont von den Grausamkeiten der Bombennächte und Granaten.
Weihnachten nahte, das erste Weihnachtsfest ohne Angst und Schrecken wie in den vergangenen Jahren.
Abseits der Stadt, auf einem kleinen Bauernhof, rüstete die Großmutter zum Fest.
Eine kleine Familie, Mutter, Tochter und zwei Enkelsöhne von sieben und zwei Jahren, dazu Tante, Onkel, Cousin und Cousine.
Der Vater in Gefangenschaft, irgendwo in einem Lager in Norwegen, so die letzte Nachricht.
Am riesigen Herd werkelte die Großmutter, bereitete den Teig für den Zucker- und Streuselkuchen vor.
In das Knistern der Holzscheite fragte der Siebenjährige:
„Kommt der Weihnachtsmann dieses Jahr?“
Stille, nur das Knarren des Tisches, auf dem der Teig ausgerollt wurde.
Mutter und Tochter schwiegen, atmeten nur tief durch.
Der Junge fragte nach: „Kommt er denn nun?“
„Vielleicht, ich weiß es nicht!“, antwortete die Tochter, während die Gedanken auf den unbekannten Aufenthaltsort des Ehemannes und Vaters gerichtet waren.

Der „Heilige Abend“ rückte näher.
Es war ein richtiger Winter, wie man so zu sagen pflegt, mit Kälte und viel Schnee.
Der kleine Junge genoss diese Tage, keine Schule, tagsüber draußen im Schnee, am Abend rätselhafte Geschäftigkeit in der guten Stube, die ja sonst nur am Sonntag oder an Feiertagen betreten werden durfte.
Endlich war er da, der lang ersehnte Tag, der „Heilige Abend“.
Die Großmutter arbeitete wie immer in der Küche, die Mutter war in die Stadt gegangen.
Derweil hatte sich der Onkel in der guten Stube zu schaffen gemacht. Es klopfte, hämmerte, knisterte – geheimnisvolle Geräusche.
Aber die Kinder durften nicht hinein, denn es war ja noch nicht dunkel draußen.
Viel zu langsam verging für die Kinder der Tag, bis es endlich zu dämmern anfing.
„Ob der Weihnachtsmann wohl kommt?“ dachte der Junge.
Diese Frage beherrschte ihn völlig.
Irgendwann war es dann draußen dunkel, und eine geheimnisvolle Spannung lag in der Luft.
In der Küche breitete die Öllampe ein flackerndes Licht aus, es duftete nach Kuchen und nach Tannennadeln.
Plötzlich war das Klingeln eines Glöckchens zu hören, das war das Zeichen.
Die Kinder stürmten in die gute Stube, die Erwachsenen standen mit verklärtem Blick neben dem Weihnachtsbaum, der in vollem Kerzenlicht erstrahlte, geschmückt mit Silberkugeln und Silberfäden.

„Der Roller ist für dich“, hörte er die Mutter sagen, ein rotbraun angemalter Holzroller, die Räder mit Blech beschlagen, ein bunter Teller mit Keksen und Bonbons vervollständigten das tolle Geschenk.
Nach der ersten Aufregung saßen alle am Tisch, die Erwachsenen tranken Bohnenkaffee, die Kinder Malzkaffee mit viel Milch, dazu gab es Zucker- und Streuselkuchen. Allgemeines Gemurmel erfüllte die Stube.

„Ob der Weihnachtsmann doch noch kommt?“,
dachte der Junge so bei sich, als draußen ein Knirschen zu hören war.
Oder irrte er sich? Nein, das Geräusch kam näher.
Dann plötzlich ein Klopfen an der Haustür:
„Tack, tack, tack, tack, tack!“
Das Klopfzeichen wiederholte sich.
„Ich schau mal nach“
sagte die Mutter, ging zur Wohnungstür und wollte sie öffnen.
Die Tür wurde von außen aufgedrückt, sie blieb stehen, denn in diesem Moment schob sich eine große stattliche Gestalt in die Stube, in einen grauen Mantel gehüllt, auf dem Kopf eine dunkle Mütze. Die rechte Hand umklammerte einen großen, grauen Rucksack.
„Das ist der Weihnachtsmann!“
dachte der Junge und verkroch sich hinter der Großmutter,
„das ist er bestimmt!“
Ein langgezogener Schrei erfüllte plötzlich die gute Stube.
“ Willlliii!“
Die Mutter stürzte auf den Fremden zu, der den Rucksack fallen ließ, sie umarmten sich. Weinte da nicht jemand??
Der Junge hörte eine tiefe fremde Stimme, ein wenig rau.
Langsam schob er sich hinter der Großmutter hervor, während die Stimme sagte: „Komm her, mein Junge!“
Ängstlich bewegte sich der Junge auf den Weihnachtsmann zu.
„Wieso heißt er bloß Willi?“, darum kreisten seine Gedanken.
Und dann hörte er wieder die Stimme des Fremden:
„Ich bin dein Vater! Ich wünsche dir ein frohes Weihnachtsfest, mein Junge!“
Verwirrt blickte der Siebenjährige in das Gesicht des Mannes und sah Tränen über die Wangen rollen.
„Wieso ist der Weihnachtsmann mein Vater, und warum heißt er Willi?“
„Ach, es ist doch der Weihnachtsmann, auch wenn er Willi heißt!“
Mit dieser Entscheidung kroch er ins Bett, zufrieden mit den Ereignissen des „Heiligen Abends“ 1945 in Wolfenbüttel.


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