Jürgen Peters, München
Wie jedes Jahr war ich mit allen Weihnachtsvorbereitungen schon am frühen
Nachmittag fertig, um dann mit meinen 3 Kindern gemütlich zusammenzusitzen
und gemeinsam auf das Christkind zu warten. Der Duft von Plätzchen,
der Weihnachtsgans und dem Kinderpunsch erfüllte das ganze Haus und
ich erzählte den Kinder alle möglichen Weihnachtsgeschichten.
Sie wollten immer mehr hören, aber langsam wusste ich keine weihnachtlichen
Geschichten mehr, so dass ich von den Weihnachtsfesten aus meiner Kindheit
erzählte.
Nun, als Kind war ich kurz vor dem Fest furchtbar aufgeregt
und wieselte allen möglichen Leuten vor die Füße. Natürlich
passierte dann immer etwas. Mal ließ ich etwas fallen, ein andermal
stieß ich aus versehen jemanden an.
Und so kam es, obwohl Handgreiflichkeiten in unserer Familie streng verpönt
waren, dass mich irgendeiner (vom Bruder bis hin zur Tante) mit einer
Watsch'n wieder auf den Boden der Realität zurück brachte. So
ging das jedes Jahr und es regte sich außer mir keiner mehr auf,
denn der Bub hat ja mal wieder seine Weihnachtswatsch'n bekommen, das
ist schon fast Tradition. Meine Kinder quietschten vor Vergnügen,
dass auch der Papa so seine Schwierigkeiten hatte, doch leider fiel mir
jetzt überhaupt nichts mehr ein und das Christkind sollte erst in
einer halben Stunde kommen. Ich nahm meinen jüngsten auf den Schoß und fing an mit ihm herumzualbern und ihn zu kitzeln.
Dabei verdrehte er sich fürchterlich den Fuß und im Reflex
gab er mir eine schallende Ohrfeige. Wütend hob ich in hoch und wollte
gerade anfangen in gehörig zu schimpfen, da sagt seelenruhig mein
ältester Sohn: "Aber Papa, was regst du dich auf, er hat doch
nur eine alte Tradition wieder aufleben lassen!"
Da mussten wir alle herzhaft lachen und der Weihnachtsfrieden war wieder
gerettet.