Unterstütze die Weihnachtstadt durch einen Kauf in unserem Shop
Christbaumschmuck aus Plauener Spitze
Christbaumschmuck bei Weihnachtsrolf

Du bist Besucher
in der Weihnachtsstadt

Zuletzt aktualisiert
13.01.2018

Norwegen

Gefunden auf www.weihnachtsstadt.de
  1. Hauptseite
  2. Brauchtum
  3. Aus aller Welt
  4. Norwegen

Weihnachten in Norwegen

zusammengestellt von Krischa aus Finnland

Auf allen Weltmeeren und Häfen der Welt werden zur Weihnachtszeit an den Mastspitzen der norwegischen Schiffe Weihnachtsbäume angebracht. Wie in jedem norwegischen Haushalt, so wird auch an Bord norwegischer Schiffe Weihnachten "auf norwegisch" gefeiert. Diese Weihnachtsfeier unterscheiden sich ein wenig von anderen Nationen, jedoch ist der Unterschied heute nicht mehr so groß wie noch vor nur wenigen Jahren.
Ansonsten gibt es die gleichen hektischen Weihnachtsvorbereitungen, wundervoll geschmückte Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen, Straßen, die mit Girlanden und Lichterketten behängt sind und phantasievoll dekorierte Schaufenster. Und wie auch in den anderen Großstädten, so träumt auch hier mach einer von Weihnachtsfesten früherer Zeiten. In Norwegen gibt es das alte Weihnachten aber noch!
Schon im November laden Restaurants zum "Julbord", dem Weihnachtsbuffet, ein und viele Firmen feiern mit ihren Angestellten das "kleine Weihnachten". Auf dem Land beginnen die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest oft schon mehrere Wochen vorher. Das sogenannte "Juleøl", das Weihnachtsbier, wird gebraut und es wird viel gebacken. Am Duft exotischer Gewürze und an aromatischen Backdünsten ist zu erkennen, dass es weihnachtet. Ohne Pfefferkuchen, Schmalzkränzchen, Hörnchen und anderem Traditionsgebäck ist es eben nicht "Jul". Sieben Sorten Kekse müssen es sein und die meisten Leute halten sich auch dran. Auch der "Julekaker", der Christstollen, ein süßes Weihnachtsbrot mit Rosinen, Zitronat, Nüssen und Kardamom darf nicht fehlen. Je näher Weihnachten heranrückt, desto größer wird die Spannung.
Zum Weihnachtsrummel gehört auch das Großreinemachen des Hauses und das Holzhacken., denn das Feuer darf während der Weihnachtstage nicht ausgehen. Und natürlich wird ein besonders schöner Weihnachtsbaum aus dem Wald geholt. Diesen Weg konnte sich der Urgroßvater früher sparen, denn der Weihnachtsbaumbrauch kam erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. aus Deutschland nach Norwegen, in die Landgebiete sogar noch später.
Am Weihnachtsvorabend wird hinter verschlossenen Türen der Baum von den Eltern geschmückt, und man vergisst auch nicht, dem "Nisse", so einer Art Heinzelmännchen, eine Schüssel Brei in die Scheune zu bringen. Er gilt als Beschützer des Hauses. Wer weiß schon, ob es den kleinen Kerl nicht wirklich gibt? Aber auch der anderen Tiere gedenkt man: Das "Julenek", eine Garbe Hafer wird für die Vögel an einen Pfahl gesteckt, und die Tiere des Hofes bekommen eine Extraration. Am Nachmittag läuten die Kirchenglocken die Weihnachtszeit ein. Wenn die Glocken verstummen, senkt sich der Weihnachtsfriede über Höfe und Dörfer. Hell erleuchtete Fenster senden ihr freundliches Licht in den dunklen Winternachmittag .
Die eigentliche Weihnachtsfeier beginnt meist mit dem Vorlesen dem Weihnachtsevangeliums. Manch einer hat noch eine alte Familienbibel, wo auf den ersten Seiten Geburten und Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Sterbefälle von vielen Generationen eingetragen sind. Danach versammelt sich die Familie zum traditionellen Weihnachtsessen.
Essen ist ein wichtiger Teil der Feiertage. Mitten am Tag gibt es zur Stärkung erst mal Reisbrei, worin eine Mandel versteckt ist. Wer sie findet, bekommt ein Marzipanschweinchen. Man tat das ursprünglich, um die Wartezeit für die Kinder abzukürzen. Als kulinarische Höhepunkte werden dann aufgetischt: an der Küste Dorsch, Heilbutt oder Laugenfisch, in Ostnorwegen feine gegrillte Schweinerippchen, die man leider nur an Weihnachten erhält, dabei schmecken sie so gut, weiterhin Fleischklößchen und Schweinekochwurst und in Westnorwegen stehen gepökelte Lammrippchen, der Kronenbraten und ein riesiger Schinken auf dem Tisch. Dazu kommen unzählige verschiedene Aufläufe und auch die eingelegten Heringe in vielen Varianten fehlen auf keinem Tisch. Als Dessert lässt man sich dann eine sahnige Reiscreme mit rotem Fruchtsaft und zuletzt einen Aquavit schmecken. Nach all dem fetten Essen braucht man den dann allerdings zu medizinischen Zwecken.
Doch die Kinder haben nicht viel Freude am Essen. Ungeduldig richten sich ihre Augen sind auf die geschlossene Wohnzimmertür. Sie können es kaum noch erwarten, bis die Erwachsenen fertig sind. Endlich kommt der ersehnte Augenblick und die Tür wird geöffnet! Die Kinder stürzen aufgeregt hinein, überwältigt vom Anblick des Tannenbaums im strahlenden Schimmer der Kerzen und den sorgfältig verpackten Geschenken darunter. Es folgt die alte norwegische Sitte, der "Rundgang um den Tannenbaum". Man fasst einander an den Händen, bildet einen Kreis um den Baum, tanzt gemeinsam darum herum und singt Weihnachtslieder. Sollte der Kreis zu klein sein, werden Puppen und Teddybären in den Kreis mit aufgenommen. Danach werden endlich die Geschenke verteilt. Der Rest des Abends wird mit Gesellschaftsspielen und dergleichen verbracht, und man lässt sich Kuchen und andere Leckereien schmecken.
Früh am Morgen des ersten Weihnachtstages geht die Familie zur Kirche. In manchen Gegenden fährt man immer noch mit Pferd und Schlitten dorthin, und das Klingeln der Schlittenglöckchen ist weithin zu hören. Früher gab es einen Frühgottesdienst, dem dann zu Hause ein Brunch folgte. Heute wird der Gottesdienst meist erst im Laufe des Vormittags abgehalten, im Anschluss daran gibt es ein üppiges Mittagessen.
Die Kirchen in den einzelnen Dörfern sind die selben kleinen Holzkirchen geblieben, die der Gemeinde schon im Mittelalter gedient haben. Wer genauer hinsieht, findet vielleicht auf den im Laufe der Zeit dunkel gewordenen Wänden noch eine alte Runeninschrift, alte Bilder und Holzschnitzereien.
Der Weihnachtsabend und der erste Weihnachtstag bilden nur den Anfang einer Festzeit, die bis zu den Heiligen Drei Königen am 6.Januar dauert, in manchen Gegenden sogar bis zum 13. Januar, Tag des Heiligen Knut.
Weihnachten ist eine Zeit, in der man die Geselligkeit pflegt. überall strömt warmes Licht aus den offenen Türen, Gäste werden willkommen geheißen, alte Gesellschaftsspiele werden hervorgeholt und niemand denkt an die Schlafenszeit der Kinder. Diese dürfen sich verkleiden und von Hof zu Hof ziehen, wo man sie überall mit Kuchen und anderen Leckerbissen bewirtet. Diese Sitte nennt man "Julebukk gehen". Man kennt ihren Ursprung nicht, die Historiker glauben, dass es aus dem Mittelalter stammt.
Die meisten Norweger nehmen die alten Weihnachtsbräuche als selbstverständlich hin. Sie wissen oft gar nicht, dass diese Sitten flüchtige Einblicke in die Lebensweise und den Glauben ihrer Vorfahren gewährt, in heidnischen Kult und alte christliche Traditionen. Der immergrüne Weihnachtsbaum vermittelt die Idee des Wachstums und des Lebens, trotz Winter und Dunkelheit, und ist Ausdruck sowohl heidnischer als auch christlicher Symbole. Den Mistelzweig übernahmen wir von den Kelten, den Christdorn von den Sachsen und die Sitte, sich zu beschenken, kannten schon die Germanen. Viele der alten Weihnachtsbräuche gehen auf heidnische Opferfeste zurück. Das Julfest, die Wintersonnenwende, war ein Bittopfer an die Götter. Es wurde um Segen für Haus und Hof und um Fruchtbarkeit gebeten. Das Julfest traf etwa mit dem christlichen Weihnachtsfest zusammen. Hakon der Gute ließ die beiden Feste zusammenlegen und erließ ein Gesetz, dass jeder Familienvater 40 Kannen Bier brauen müsse und das Fest solange zu dauern habe, wie noch Bier in den Kannen sei. Weshalb so viel Bier? Nun, Hakon war Heide und für jeden Germanen war es oberste religiöse Pflicht, Odin zu ehren. Aus Mangel an Met wurden eben Biergelage abgehalten. Häufig wurden dabei innerhalb der Familien und unter Freunden Julgeschenke ausgetauscht, die Reichen belohnten ihre Gefolgsleute für treue Dienste, und auch die Christen übernahmen bald diese Sitte.
Im Laufe der Jahrhunderte verflochten sich Heidnisches und Christliches recht eng miteinander und heute denkt kaum jemand daran, dass es eigentlich die Heiden waren, die uns das viele Feiern erst gelehrt haben.