Du bist Besucher
in der Weihnachtsstadt

Zuletzt aktualisiert
13.01.2018

Friede auf Erden

Gefunden auf www.weihnachtsstadt.de
  1. Hauptseite
  2. Geschichten
  3. Besinnliches
  4. Friede auf Erden

geschrieben von Anna Metz

Martin hatte es nicht leicht. Es war schon mehr als fünf Jahre her, dass sich seine Eltern getrennt hatten. Er war damals gerade in den Kindergarten gekommen und konnte sich nur ein wenig an die vielen Streitereien seiner Eltern erinnern. Es war nicht schön, so viel wusste er noch. Seitdem lebte er bei seiner Mama. Wenn sie in der Arbeit war, ging er zu Oma und Opa, zu Mamas Eltern. Alle zwei Wochen am Wochenende durfte er zu Papa. Das war auch schön, sie spielten zusammen, er durfte auch zu Papas Eltern gehen, die waren ja auch seine Oma und sein Opa, und sie freuten sich riesig, wenn er kam. Er freute sich auch, denn er hatte auch sie lieb. So viele Personen, die er gern mochte: Mama, Papa, Mama-Oma, Mama-Opa, Papa-Oma, Papa-Opa und die Onkel und Tanten und alle mochten auch ihn.

Einmal - Martin war nun in der 1. Klasse - war er wieder bei Papa. An diesem Sonntag waren sie zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Alle waren lustig, es war eine schöne Feier, aber oh je, sie hatten völlig die Zeit vergessen. Mama war stocksauer, weil sie über eine Stunde zu spät kamen und stritt sich fürchterlich mit Papa. Martin hielt sich die Ohren zu, er wollte den Streit nicht hören. Aber Mama war so wütend und schrie ganz laut und Papa schrie zurück. Mama warf ihm vor, dass er nicht zuverlässig sei und überhaupt war er ja vor zwei Jahren gegangen und jetzt hatte er eine andere Frau und sie wollte nicht, dass diese Frau mit Martin etwas unternahm.

Schließlich schlug Papa die Tür zu, Mama weinte und schickte Martin ins Bett.

Am nächsten Tag war der kleine Junge noch immer traurig. In der Schule war er etwas abgelenkt, am Nachmittag bei Opa und Oma, war es auch recht schön, dann kam Mama nach Hause. Beim Abendessen fragte Martin: "Du, Mama, bist du noch böse?" Mama lächelte: "Auf dich nicht mein Schatz, aber auf Papa. Auf ihn kann man sich nicht verlassen. Er hat uns beide in Stich gelassen vor fünf Jahren und ist einfach gegangen. Er hat es gut, er verdient viel Geld, hat eine tolle Wohnung, ein großes Auto und eine andere Frau, so eine Hexe. Überlege dir gut, ob du noch einmal zu ihnen gehst!"

Nicht mehr zu Papa gehen - Martin starrte Mama mit großen Augen an. Da ging die Tür auf und Mama-Oma kam herein. Sie fragte: "Na, Martin, warum schaust du denn so?" Mama erzählte ihr warum und Oma schimpfte nun ganz fürchterlich über Papa. Martin war traurig, er hatte doch Papa ebenso gern wie Mama.

Er überlegte jeden Tag, was er tun sollte, wenn Papa ihn wieder am Wochenende abholen würde. Dann hatte er sich entschieden. Als Papa klingelte, öffnete Mama die Tür und sagte: "Frag ihn selbst, ob er mitgehen möchte." Martin schrie Papa an: "Geh, ich will dich nie wieder sehen, und deine Hexe bei dir zu Hause auch nicht!" Papa versuchte Martin zu überreden - vergeblich. So ging das zwei Jahre lang. Martin wolle nichts mehr von seinem Vater wissen. Mama und Oma sagten nur: "Recht so! Er hat es nicht anders verdient!" Einige Male sagen sie Papa oder seine Eltern in der Stadt, dann grüßte Mama nicht einmal und er auch nicht. Lieber gingen sie gleich auf die andere Seite. Nur nichts mit diesen Leuten zu tun haben, denn selbstverständlich durfte Martin auch nicht mehr zu Papas Eltern. Einmal - zum Geburtstag hatten sie bei ihm zu Hause geklingelt und wollten ihm ein Geschenk geben. Da rief Mama: "Nehmt diesen Kram wieder mit, wir haben nichts mehr mit euch zu tun." Martin war zwar traurig, weil er das Geschenk nicht bekommen hatte, aber Mama wollte bestimmt nur sein Bestes, wenn er nicht mehr mit ihnen zu tun haben sollte.

Martin war nun in der 3. Klasse. Am 4. Adventssonntag saß er am Abend mit Mama und ihren Eltern um den Adventskranz und Mama las eine schöne Geschichte vor - von den Engeln, die den Frieden auf Erden verkünden sollten und nicht wussten, wie sie das schaffen sollten, wo es doch so viel Streit und sogar Kriege unter den Menschen gab.

Nach dieser Geschichte gab Mama ihrem Jungen einen Gute-Nacht-Kuss und Martin ging ins Bett. In der Nacht aber hatte er einen Traum:

Er konnte sehen und hören, wie die Engel sich berieten, was sie tun könnten, um allen auf Erden den Frieden zu bringen. Die schlauen Oberengel fanden keine Lösung. Wenn man zwei Parteien versöhnte, fühlte sich bestimmt jemand wieder ausgeschlossen und es gab neuen Streit. So ging das stundenlang. Schließlich rief der kleine Engel Benjamin: "Warum wollt ihr denn bei den Staaten anfangen, Streit zu schlichten? Fangen wir doch einmal bei den Kindern und in ihren Familien an. Wenn die merken, was Frieden ist, können sie danach leben und anderen davon erzählen. Wir müssen klein anfangen. Schaut euch den Jungen an, dessen Schutzengel ich bin. Seit über zwei Jahren will er nichts mehr mit seinem Vater und seinen Großeltern zu tun haben, weil seine Mutter ihm nur Schlechtes über seinen Vater erzählt. Er redet nicht einmal mehr mit ihm. Ist das nicht schrecklich? Einmal hatte ich ihn fast soweit, dass er sich wieder mit den Eltern seines Vater vertragen hätte. Ich habe sie zu ihm gesandt, um ihm ein Geburtstagsgeschenk zu bringen, aber seine Mutter hat sie weggeschickt. Der Papa und seine Eltern haben letztes Jahr unter dem Weihnachtsbaum sogar geweint, als sie über den Jungen redeten. In ein paar Monaten hat der Junge Erstkommunion und sein Papa soll nicht dabei sein. Einfach schrecklich, und das alles nur, weil die Mutter so gekränkt ist. Dabei kommt es doch immer wieder vor, dass sich Menschen nicht mehr so gut vertragen. Aber deswegen kann man doch noch miteinander sprechen oder etwas unternehmen. Aber heute habe ich meinem Schützling Martin einen Traum geschickt. Vielleicht erkennt er, was ich meine und er beginnt Frieden zu schließen. " Die Engel sangen nun gemeinsam ihren Lobgesang vom Frieden.

Als Martin glaubte, seinen Namen gehört zu haben, schreckte er aus dem Schlaf hoch. Er musste sich zuerst einmal besinnen. Was sollte dieser Traum bedeuten? Er konnte nicht mehr einschlafen und überlegte und überlegte.

Am nächsten Morgen saß er fröhlich gelaunt am Frühstückstisch und pfiff das Liedchen vor sich hin, das er im Traum gehört hatte. Plötzlich sagte er zu seiner Mama: "Hast du die Telefonnummer von Papa. Ich möchte ihn einmal anrufen und mit ihm etwas vereinbaren. Ich will ihn wieder einmal besuchen." Vor Schreck fiel Mama das Messer aus der Hand. "Was soll das jetzt?", fragte sie. Martin antwortete: "Mama, ich habe Papa immer noch lieb, er ist mein Vater und Opa und Oma, die waren immer so nett zu mir, ich möchte mich wieder mit ihnen vertragen. Vielleicht verträgst du dich ja auch wieder ein bisschen mit ihnen." Mama starrte ihn an und sagte: "Geh jetzt in die Schule!"

Als sie am Abend von der Arbeit heim kam, setzte sie sich zu Martin und sprach: "Ich habe nachgedacht. Vielleicht war es wirklich nicht richtig von uns, dass wir so lange auf dich eingeredet haben, bis du nicht mehr hingegangen bist. Weißt du was, jetzt rufen wir beide Papa an und bitten ihn, an einem der Weihnachtsfeiertage zu uns zu kommen und auch seine neue Freundin mitzubringen." Martin jubelte. Sie wählten Papas Nummer. Dieser war sehr überrascht, als er von der Einladung hörte, aber man konnte durch das Telefon hören, wie froh und erleichtert er war.

Am 2. Weihnachtsfeiertag kamen Papa und seine neue Freundin. Sie brachten Martin auch ein Geschenk mit. Bei Kaffee, Plätzchen und Stollen wurde es schließlich ein richtig schöner Nachmittag. Auch Opa und Oma kamen hinzu. Als Papa und seine Freundin sich vor der Haustür verabschiedeten, drückten sie Mama und Martin die Hand und Papa sagte: "Bin ich froh, dass wir uns einmal wieder getroffen habe. Ich freue mich schon auf die Erstkommunion des kleinen Bengels. Wer ist eigentlich auf die glorreiche Idee gekommen, mich wieder einmal anzurufen?° Mama lächelte und blickte auf den strahlenden Martin. Und noch jemand strahlte - wer wohl - natürlich der Schutzengel Benjamin, der froh war, dass er einen kleinen Frieden auf Erden gestiftet hatte.

 

Diese Geschichte erinnert mich schmerzhaft an meinen Sohn und ich hätte mir damals für ihn so einen Schutzengel gewünscht.