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26.09.2018

Pegasus und die Käsianer

Gefunden auf www.weihnachtsstadt.de
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Eine Vorlesegeschichte von Volker Strehlow

Für Karen und Sintje, die mir bei der Entstehung dieser Geschichte eine große Hilfe waren!

Liebe Kinder, liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Buch hat eine eigenartige Entstehungsgeschichte. Um die Weihnachtszeit 1992 herum kamen meine beiden Töchter - Karen, damals 6 Jahre und Sintje, damals 4 Jahre - auf die Idee, ich solle ihnen eine Geschichte erzählen. Sie würden mir jeder ein Wort sagen und ich solle daraus eine Geschichte machen. Da half kein Weigern: ich mußte ran! So begann - unter der Mithilfe meiner beiden Töchter, die mir jeden Tag zwei neue Wörter sagten - die Geschichte von Pegasus und den Käsianern. Die Geschichte dauerte mehrere Tage und gefiel meinen beiden Mädchen und auch deren Mutter so gut, daß sie meinten, sie würde bestimmt auch anderen Kindern gut gefallen. Also setzte ich mich auf ihren Wunsch hin an meinen Computer und versuchte, die Geschichte, die ich erzählt hatte, aufzuschreiben, was sich als viel schwieriger erwies, als das Erzählen selbst. Aber schließlich wurde sie doch fertig und von meinen beiden Töchtern für gut befunden und so liegt sie nun auch vor Euch.
Ich hoffe, sie gefällt Euch ebensogut wie uns. Wir jedenfalls hatten viel Spaß mit Pegasus, Mona, Lisa, dem Weihnachtsmann, Teddy und nicht zuletzt dem Schneevogel und dem GROSSEN KÄSE!
Viel Spaß beim Lesen - oder Erzählen! ... und Zuhören!!

Pegasus und die Käsianer

Es war im Dezember in einem kleinen Städtchen an einem großen Wasser. Es hatte zwar immer noch nicht geschneit, aber es war lausig kalt. Pegasus knurrte furchtbar der Magen, er hatte schon seit Tagen nichts Richtiges mehr zu Essen bekommen.
Ich weiß, Pegasus ist ein recht merkwürdiger Name für einen kleiner Kater, aber wie er zu diesem seltsamen Namen kam, das ist eine andere Geschichte.
Pegasus war - wie gesagt - ein kleiner Kater. Er hatte ein wunderschönes schwarzes Fell und am Hals und an der Nase war er weiß. Er war ein richtiger kleiner Kuschelkater, leider hatte er aber keinen Menschen, der mit ihm kuschelte. Überhaupt war Pegasus ein ziemlicher Einzelgänger, vielleicht auch deshalb, weil er ziemlich mürrisch sein konnte - oder war er mürrisch geworden, weil er so viel allein war? Ich weiß es nicht.
Wie dem auch sei, seine einzige Freundin war die Stute Mona, ihr Stall stand in einem kleinen Dorf, das direkt neben unserem Städtchen lag. Mona lebte dort auf einem kleinen Bauernhof. Sie war schon alt, wußte von vielen Dingen zu erzählen, von denen Pegasus keine Ahnung hatte und beide liebten es, wenn Pegasus im warmen Stall auf Monas Rücken lag und schnurrte und Mona dann Geschichten aus ihrem Leben erzählte, sie hatte schon so viel erlebt, gesehen und gehört, daß Pegasus manchmal glaubte, Mona müsse mindestens tausend Jahre alt sein.-
Doch zurück in das kleine Städtchen, wo Pegasus verzweifelt nach etwas Eßbarem Ausschau hielt. Er war bei seinem Streifzug an den Rand des großen Wassers gekommen und meinte mittlerweile, er müsse mit dem Knurren seines Magens das ganze Städtchen aufwecken, als er plötzlich ganz oben am Himmel einen kleinen Stern glitzern sah. Jedenfalls dachte er, es sei ein Stern. Als dieser 'Stern' jedoch schnell größer wurde und das Glitzern von einem leisen Pfeifen begleitet wurde, war er sich seiner Sache gar nicht mehr so sicher und er verkroch sich schnell hinter einem Gebüsch in der Nähe des Strandes.
Das Glitzern kam schnell näher und mit einem lauten "Platsch!" landete es im Wasser. Es war auch kein Stern, sondern eine Kugel, die mindestens dreimal so groß wie Pegasus war, im schwachen Licht des Mondes sah Pegasus, daß die Kugel eine merkwürdige gelbe Farbe hatte und es sah so aus, als hätte sie Löcher.
Als sich Pegasus noch fragte, was das wohl für eine merkwürdige Kugel sei, kamen plötzlich aus zwei Löchern an der Seite der Kugel zwei, ja, was war es, was da raus kam? Es sah aus, als seien es so eine Art abgeknickte Stäbe, die unten breiter wurden, wie Bretter. Sie sahen fast aus wie Ruder. Dann tauchten diese 'Ruder' ins Wasser und ruderten die Kugel an den Strand. Pegasus duckte sich in seinem Versteck ganz dicht an den Boden, er traute sich kaum zu atmen. Was war das bloß? Plötzlich kamen noch zwei Stäbe oder was auch immer, aus der Kugel heraus. Die Kugel 'ging' auf ihren vier Stelzen an Land und 'setzte' sich an den Strand.
Was dann geschah ließ Pegasus fast das Herz stehen, so aufgeregt war er. Er wußte nicht, was er davon halten sollte. Aus einem der Löcher der Kugel kamen doch tatsächlich - Mäuse zum Vorschein. Sofort wurde Pegasus' Jagdtinstinkt ausgelöst, er setzte schon zum Sprung an. Immerhin sind Mäuse die Leib- und Magenspeise von Katzen, und Pegasus hatte einen Riesenhunger. Doch kurz bevor er lossprang, hielt er inne: "Das darf doch wohl nicht wahr sein!" dachte er. Das waren keine Mäuse - oder doch? Sie sahen zwar aus wie Mäuse, auch fand Pegasus, der eine sehr feine Nase hatte, daß sie wie Mäuse rochen, aber: Sie gingen auf zwei Beinen! Auf zwei Beinen, wie die Menschen! Nicht nur das, sie waren auch angezogen! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Pegasus biß sich selbst in die Pfote, er dachte: "Das kann doch nur ein Traum sein!"
Aber es war kein Traum. Pegasus hatte richtig gesehen: Aus der Kugel stiegen drei Mäuse, alle hatten silbrig schimmernde Anzüge an, und, ja tatsächlich, sie gingen auf zwei Beinen und die beiden Vorderbeine benutzten sie wie die Menschen ihre Hände. Es waren Mäuse, die direkt aus dem Weltraum geflogen kamen und genau vor Pegasus' Nase im Wasser gelandet waren. Das begriff nun auch Pegasus, obwohl er von Weltraummäusen noch nie etwas gehört hatte, aber es gab keine andere Erklärung.
Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. "Das ist die Strafe!" dachte er, "Die Strafe für die vielen Mäuse, die ich gefressen habe, jetzt haben sie Verstärkung geholt, um sich an mir zu rächen." Denn das diese Mäuse klüger und stärker waren als alle Mäuse, die er kannte, davon war er überzeugt, ja, er befürchtete sogar, daß sie stärker und klüger waren als er selbst. Es ergriff ihn eine panische Angst. Was sollte er bloß tun? Was, wenn die Mäuse ihn entdecken würden? Er war sich sicher, daß das nichts Gutes für ihn bedeuten würde.
"Mona!" schoß es Pegasus durch den Kopf. Ja, Mona wüßte bestimmt Rat, sie mußte ihm helfen! Wie von tausend Teufeln gehetzt jagte Pegasus, nachdem er mit äußerster Vorsicht aus seinem Versteck geschlichen war, durch die kleine Stadt zum Dorf, in dem Mona lebte. Mit hängender Zunge erreichte er den Stall. Mona schlief bereits, sie war schon alt und um diese Zeit längst im Reich der Pferdeträume. Pegasus hatte Mühe, sie wach zu bekommen. Als Mona endlich bereit und in der Lage war, ihm zuzuhören, erzählte Pegasus so wirres Zeug, daß Mona nichts verstand. "Nun beruhig', dich doch endlich mal! Ich glaub' eher, du hast schlecht geträumt!"
Aber Pegasus blieb bei seiner verworrenen Geschichte, die er immer und immer wiederholte. Doch er erzählte so wirr durcheinander, daß Mona kein Wort verstand, außer 'Weltraummäuse' und 'Die wollen sich rächen!". Mona war zu klug, um Pegasus zu widersprechen, sie erkannte, daß es keinen Sinn hatte. Also behielt sie für sich, was sie von dieser phantastischen Geschichte hielt und sagte schließlich. "Also gut, zeig mir deine 'Weltraummäuse', dann sehen wir weiter!"
Pegasus war heilfroh, daß Mona ihm glaubte - wie er dachte. Doch bei dem Gedanken, wieder an den Strand zu gehen, war ihm gar nicht wohl. Doch Mona bestand darauf!
Also machten sich die beiden auf den Weg, doch je weiter sie sich von Mona's Stall entfernten und je dichter sie an den Strand kamen, desto langsamer wurde Pegasus. Sie sprachen auf dem ganzen Weg kein Wort. Pegasus malte sich in Gedanken die schlimmsten Tode aus, die ihm bevorstanden. Er hatte - was für eine Katze eigentlich recht untypisch ist - plötzlich furchtbare Angst vor den Mäusen. Ja, er bereute sogar, jemals eine Maus verspeist zu haben. Doch, das sah er auch, es war nun einmal nicht zu ändern und - leugnen hatte keinen Zweck. Aber Mona war ja bei ihm und so wollte er sich jedenfalls nicht gänzlich widerstandslos in sein Schicksal ergeben. Denn, davon war er überzeugt, mit ihm war es aus! Diese Mäuse waren ihm über, sie würden kurzen Prozeß mit ihm machen. Warum bloß war Mona so gelassen? Nun ja, sie hatte nie eine Maus gefressen - das tun Pferde normalerweise nicht, aber sie waren doch Freunde, da könnte sie ruhig ein bißchen besorgter um ihn sein!

Mittlerweile waren sie am Strand angelangt, aber Pegasus hatte absichtlich einen kleinen Umweg gemacht, um ja nicht wieder so schnell bei den Mäusen anzulangen. Nun aber schlichen sie sich leise, immer versteckt hinter Büschen und Sträuchern am Strand entlang in Richtung der gelandeten Kugel. Das Schleichen fiel Mona verständlicherweise recht schwer, immerhin war sie als Pferd ja doch um einiges größer als Pegasus. Doch sie kamen unbemerkt hinter dem Gebüsch an, hinter dem sich Pegasus bei seiner ersten Begegnung mit den Weltraummäusen versteckt hatte.
Mona war platt: Pegasus hatte die Wahrheit gesagt! Alles, was Mona aus Pegasus' Gestammel im Stall glaubte verstanden zu haben, stimmte absolut: die Kugel mit den Armen, die angezogenen Mäuse auf zwei Beinen, alles stimmte. Mona war sprachlos.
Aber was war mit Pegasus? Er war kreidebleich, das konnte Mona trotz seines weißen Fells im Gesicht erkennen. Er blickte wie gebannt zu den drei Kugeln am Strand und bekam kein Wort heraus. Achja, das wird's sein, dachte Mona: Pegasus hatte von einer Kugel gesprochen und hier waren mittlerweile drei!
"Sie haben Verstärkung geholt! Jetzt ist es aus! Ich bin verloren!"
"Red' keinen Unsinn!" sagte Mona "Ich finde, sie sehen richtig friedlich aus, ja eigentlich haben sie mehr Ähnlichkeit mit dir Angsthasen, als mit wütenden Mäusen. Ich finde, sie sehen eher ängstlich und besorgt aus!"
"Du hast gut reden, du Pflanzenfresser, dir wollen sie ja auch nicht an den Kragen!" flüsterte Pegasus erbost.
Doch Mona hatte recht. Mittlerweile waren etliche Mäuse oder sollte ich besser sagen: mausartige Lebewesen aus ihren Kugeln ausgestiegen und sahen sich scheinbar ihren Landeplatz näher an. Wäre Pegasus durch seine Angst nicht so blind, so hätte er bemerkt, daß die Mäuse tatsächlich eher bekümmert als böse aussahen. Doch das wollte er auch gar nicht sehen. Mona konnte ihn nur mit Mühe beruhigen. Sie zogen sich etwas zurück, um ungestört und vor allem unbelauscht reden zu können. Sie stritten lange, was diese Mäuse hier wollten, aber Pegasus war nicht zu überzeugen, daß sie nicht seinetwegen hier waren.
"Dann geh' doch hin und frag' sie, wenn du dich traust," rief Pegasus endlich wütend. "Ja, natürlich," antwortete Mona, "warum bin ich nicht gleich selbst drauf gekommen. ich werde zu ihnen gehen und sie fragen, was sie bei uns wollen!" - "Vergiß' nicht, vorher dein Testament zu machen, alter Dummkopf, glaubst du im Ernst, die reden mit dir, - wenn sie überhaupt reden können?!" erwiderte Pegasus. Doch eine andere Lösung fiel ihm auch nicht ein. Es schien die einzige Möglichkeit zu sein, Gewißheit zu bekommen.
Also schlichen sich Pegasus und Mona, die nun etwas zuversichtlicher war, wieder zurück zu ihrem Versteck. Als sie hinter ihrem Busch hockten, hörten sie auf einmal, wie die Mäuse miteinander sprachen. "Das hätte ich nicht geglaubt, aber ich hätte es mir eigentlich denken können, denen ist nichts unmöglich, sie können tatsächlich sprechen." Aber nun war es Mona, die stutzig wurde, denn was sie da hörte, ... das verstand sie nicht!
"Du hast recht, Pegasus, ich bin ein Dummkopf, wie konnte ich annehmen, daß ich mit Mäusen reden kann, die aus dem Weltall kommen! Sie sprechen natürlich eine ganz andere Sprache, die wir nicht verstehen!" - "Na, siehst du, endlich gibst du mir recht!" - "Nichts dergleichen!"

Aber was sollten unsere Freunde jetzt tun? Sie lauschten den Mäusen noch eine Weile, ohne daß ihnen etwas einfiel. Als sich plötzlich Monas Gesicht aufhellte. "Ja, natürlich!" rief sie, "Ich hab's!" - "Was hast du? Nichts hast du! Ich glaube eher, du schnappst jetzt total über, sei leise, was ist, wenn sie dich hören? Sei endlich still!" -
"Aber weißt du denn nicht, wie spät es ist?" fragte Mona. "Hab ich eine Armbanduhr?" erwiderte Pegasus ärgerlich. "Das nicht," entgegnete Mona, "aber du mußtest mich doch wecken, als du zu mir kamst, also hatte ich bereits meinen Hafer erhalten und demnach muß es jetzt kurz nach sechs sein!" - "Sehr interessant!" brummte Pegasus verärgert, was interessierte es ihn, wann Mona ihren Hafer bekam, er hatte selber Hunger und noch nichts zwischen den Zähnen gehabt.
"Aber Pegasus, schau mich nicht so wütend an," versuchte Mona den Kater zu beruhigen, "sechs Uhr!! Sagt dir das gar nichts? Sechs Uhr, siehst du denn gar nicht fern? Um sechs Uhr kommt doch immer das Sandmännchen!! Pegasus, das Sandmännchen! Das könnte uns helfen! Es kommt doch mit seinem Schlitten weit herum und in der Regel kommt es immer vom Himmel. Vielleicht hat es ja schon mal etwas von diesen Mäus..." - "Ja, sag mal," lachte Pegasus, "glaubst du etwa noch an den Weihnachtsmann, den Osterhasen - und das Sandmännchen? Wie alt bist du eigentlich? Das sind doch Kindermärchen!" - "Nun mach aber mal einen Punkt, glaubst du etwa nicht daran? Das sind keine Märchen! Ich hab das Sandmännchen schon selbst bei unseren Kindern im Hause gesehen, wie es den Kleinen den Schlafsand gebracht hat, - vom Weihnachtsmann und dem Osterhasen ganz zu schweigen. Du bist ein ungläubiger Miesmacher!!"
"Mona, wenn das wahr ist, dann hätte ich ja vielleicht doch noch eine Chance!
ich könnte dich umarmen, das ist es, er weiß alles, also weiß er auch vielleicht, wie wir die Mäuse wieder los werden!" - "Nicht so ganz, ich finde, er sollte uns helfen, herauszufinden, was sie hier wollen, vielleicht versteht er ja auch ihre Sprache und er redet mit ihnen!"
Daran war Pegasus aber weniger interessiert, er glaubte immer noch nicht an die Geschichte von den ängstlichen Mäusen. Er wollte sie nur wieder los werden. Aber Mona ließ nicht locker. "Also, wo finden wir den Weihnachtsmann?"
Tja, und das war eine sehr gute Frage, denn den Weihnachtsmann trifft man nicht so einfach am Strand bei einer kleinen Stadt, der fliegt mit seinem Schlitten, gezogen von acht Rentieren rings um die Welt, um alle braven Kinder in allen Ländern zu beschenken. Aber wie bereits gehört, es war der 24. Dezember, Heiligabend und plötzlich sahen die beiden am Himmel einen Silberstreif von Osten her auf sie zukommen und in einiger Entfernung von ihrem Versteck nahe der kleinen Stadt landen.
"Das muß er sein!" rief Mona leise, und sie stürmten zu der Stelle, wo sie den Silberstreif auf die Erde niedergehen sahen. Und tatsächlich, dort stand ein goldener Schlitten, voll bepackt mit Geschenken, gezogen von acht Rentieren und in ihm saß ein alter Mann mit einem roten Mantel und einem langen weißen Bart: der Weihnachtsmann! "Ihr habt nach mir gefragt?" sagte er, als die beiden Freunde näher kamen. "Woher weißt du das?" - "Aber, Pegasus, das hat Mona dir doch erzählt, der Weihnachtsmann weiß fast alles!" Pegasus war so irritiert, daß es ihn nun nicht einmal mehr wunderte, daß dieser alte Mann ihre Namen kannte. Es war eben der Weihnachtsmann, der weiß alles!
Das dem leider nicht ganz so war, sollten sie bald erfahren. Die beiden Freunde erzählten also dem Weihnachtsmann - obwohl dieser ja sowieso alles wußte - die ganze Geschichte noch einmal. und vor allem von ihrem Streit und der Unmöglichkeit sich mit den Mäusen zu verständigen. Aber dazu sagte der Weihnachtsmann nur "Ja, ja!" - Dann schwieg er lange, es schien Mona, als ob er angestrengt nachdenken würde, Pegasus allerdings war sich sicher, daß der alte Mann gleich einschlafen würde, aber da hatte er sich gewaltig getäuscht.
"Ja, natürlich, ich erinnere mich!! Die Käsianer!!" - "Die wer??" - "Die Käsianer", sprach der Weihnachtsmann weiter, ohne auf Pegasus Zwischenruf näher einzugehen,"mir hat mal jemand von ihnen erzählt, wer war es bloß? Mein Gott, ich werde auch nicht jünger, es mag so an die hundert Jahre her sein, da hat mir jemand - mir fällt aber auch wirklich nicht ein, wer es war, - wie dem auch sei, dieser Jemand hat mir also von einem kleinen Planeten erzählt, der von Mäusen bewohnt war, eben den Käsianern. Er nannte sie so, weil ihr Planet ganz aus Käse war, naja," lachte der Weihnachtsmann, "wenn's Mäuse waren!" - "Und du verstehst sie?" fragte Mona aufgeregt. "Nein, leider nicht, ich hab sie ja noch nie zu Gesicht bekommen!" - "Dem können wir abhelfen," sagte Pegasus, aber er wußte, daß es nichts nützen würde. "Ja, natürlich," rief er plötzlich, "es war Lisa! Lisa, die Lumpenpuppe! Ich traf sie am 24. Dezember des Jahres ... des Jahres ... - ach egal - es war jedenfalls so ungefähr vor hundert Jahren, da traf ich sie auf meinem Weg von zu Hause, also vom Mond zur Erde. Sie trieb ziellos durch das Weltall. Ich war so überrascht, daß ich sie nicht einmal fragte, woher sie kam und wohin sie wollte. Sie fragte mich einfach, als wenn es die größte Selbstverständlichkeit wäre, ob sie mitfahren könnte. Sie stieg ein und auf unserem weiteren gemeinsamen Weg erzählte sie mir eine Menge von sich, unter anderem auch von diesen Käsianern. Ich hab sie dann mitgenommen und sie fand meine Arbeit lustig und bat mich, als Geschenk bei einem Menschenmädchen bleiben zu dürfen. Und wie es der Zufall so will, war ich damals auf dem direkten Weg zu dieser kleinen Stadt da drüben und hab sie dort in einem Haus mit zwei kleinen Mädchen und einem Jungen abgeliefert, obwohl sie nicht auf meinem Bestellzettel stand - eigentlich eine unerlaubte Unzulässigkeit, aber ich konnte ihr den Wunsch nicht abschlagen." - "Na, denn nichts wie hin zu diesem Haus, vielleicht kann .. ähh .. Lisa, ja mit den ... ähh .. Käsianern reden, vielleicht versteht sie sie ja!" rief Mona. Also sprangen sie alle in den Schlitten und sssssssssttthhhhhhh.... ging die Reise los über die Dächer der kleinen Stadt. Aber so lange sie auch kreuz und quer über sie hinwegflogen, der Weihnachtsmann konnte und konnte das Haus nicht wiederfinden. "Naja," sagte er schließlich, "es ist ja auch schon hundert Jahre her!"
Sie wollten gerade die Suche aufgeben. "Da, da ist es!" rief er, aber so sehr sich Pegasus im fahlen Mondlicht auch bemühte, er konnte kein Haus dort erkennen, wohin der Weihnachtsmann zeigt - und Katzen haben bekanntlich sehr gute Augen, auch nachts. Das einzige was er sah, war eine alte, ausgebrannte Ruine. Dann dämmerte es ihm "Hundert Jahre sind wirklich ein lange Zeit!" sagte er. Der Schlitten landete und sie begannen das Haus, oder was davon übriggeblieben war, von oben bis unten zu durchsuchen, aber eine Puppe konnten sie nicht finden. Pegasus, der als Kater natürlich bis in die höchsten und äußersten Ecken des Hauses auf den Speicher gekrochen war, wollte sich gerade wieder nach unten begeben, als plötzlich ... "Chchchrrrrhhhh...... chchchrrrrhhhh.... " - da schnarcht doch jemand, denkt er und tatsächlich, aus dem hintersten Winkel des Speichers war deutliches Schnarchen zu vernehmen.
Pegasus rief sofort seine Freunde zu sich und alle hörten sie das Schnarchen. "Das sähe ihr ähnlich!" schmunzelte der Weihnachtsmann und als sie dem Schnarchen nachgingen, fanden sie eine alte, ebenfalls angesengte Truhe unter allerlei Gerümpel und herabgestürzten verkohlten Balken und in dieser Truhe, tatsächlich, da lag sie: Lisa!
Sie schlief seelenruhig und fest. Sie mußten alle drei kräftig rufen und der Weihnachtsmann sie kräftig schütteln, bevor sie langsam zu sich kam. Endlich schlug sie die Augen auf: "He, alter Mann, lange nicht gesehen, wie geht's? Ohh, heute nicht alleine, sind das deine Freunde, oder Helfer? Aber sag mal, woher kommst du aufeinmal?" Lisa tat gerade so, als hätten sie sich erst letzte Woche gesehen und sie hätte nicht zig Jahre, sondern nur ein paar Stunden geschlafen.
Nachdem der Weihnachtsmann - ständig unterbrochen von Pegasus, der jedesmal erst von Mona wieder beruhigt werden mußte - Lisa alles erzählt hatte, was er über die Ereignisse der letzten Nacht wußte, wurde sie sofort richtig wach. "Oh, wie schön, ich werde die Käsianer wiedersehen, das sind vielleicht putzige Kerlchen sage ich euch, herzallerliebst..." - "Ja, herzallerliebste Kerlchen!" knurrte Pegasus widerwillig. Aber er war froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der sich mit den Käsianern verständigen konnte. Denn auch wenn er Lisa nicht immer ganz zugehört hatte, was bei ihrem Redetempo auch nicht ganz einfach war, so hatte er ihrem Redeschwall doch entnehmen können, daß sie vor langer Zeit einmal bei den Käsianern auf dem Käseplaneten gelebt hatte, also mußte sie ja wohl auch ihre Sprache sprechen.
"Na, worauf warten wir denn dann noch, ab zu den Käsianern!" rief Lisa. Gesagt getan, nachdem alle auf dem Schlitten saßen, ging es ab zum Strand, auf Pegasus' ausdrücklichen Wunsch in sicherer Entfernung vom Gebüsch, das ihnen bisher immer als Versteck gedient hatte. Nachdem sie alle ausgestiegen waren und sich hinter dem Gebüsch versammelt hatten, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen. "Gott sei Dank! Sie sind weg!" entfuhr es endlich Pegasus. Und tatsächlich: Dort, wo bis vor kurzem noch drei Käsianer-Raumschiffe am Ufer standen, war nichts mehr zu sehen, absolut nichts! "Das glaub ich nicht," erwiderte Mona. "Wär' auch gar nicht ihre Art, sich so einfach wieder aus dem Staub zu machen!" plapperte Lisa. Das hatte Pegasus auch befürchtet, aber er hatte doch die Hoffnung, daß sie verschwunden waren.
Nun, verschwunden waren sie, so schien es jedenfalls. Aber nachdem unsere vier Freunde eine Zeitlang ziemlich ratlose Gesichter gemacht hatten, kam Lisa ein Gedanke. "Ihr müßt wissen," begann sie, "die Käsianer sind, wie ihr schon richtig vermutet habt unseren Mäusen schon sehr ähnlich!" - "Ich hab's gewußt!" rief Pegasus dazwischen. "Gib' endlich Ruhe!" knurrte Mona. "Und sie haben eine Vorliebe für Käse!" fuhr Lisa fort. "Darum haben sie sich auch in ihren Käseplaneten hineingefressen, sie leben also dort praktisch unterirdisch oder besser gesagt unterkäsisch. Wahrscheinlich haben sie sich hier auch in der Erde versteckt!" - "Aber hier ist doch kein Käse," warf Pegasus ein. "Aber alte Gewohnheiten schüttelt man nicht so leicht ab," antwortete Mona und die mußte es schließlich wissen. Und Pegasus erinnerte sich daran, wie auch er - seiner Gewohnheit folgend - zunächst zum Sprung auf die Käsianer angesetzt hatte, obwohl sie in Anzügen steckten und aufrecht gingen.
In der Zwischenzeit hatte sich Lisa bereits nach vorne zum Landeplatz der Raumschiffe vorgewagt und preßte nun ihr rechtes Ohr an den Boden um zu lauschen. Nach kurzer Zeit kam sie zurück. "Wie ich gesagt habe! Sie leben in der Erde!"
"Hast du etwas verstehen können?" fragte der Weihnachtsmann. "Nicht ganz," sagte Lisa, "es ist schon so lange her, daß ich käsianisch gesprochen habe. Aber so viel hab ich verstanden: Sie sind nicht deinetwegen hier Pegasus, sie haben ein Problem. ich weiß nur noch nicht genau, welches!"
Pegasus konnte sich über diese Nachricht nicht so recht freuen. Was weiß schon eine Lumpenpuppe. Wer weiß, was sie verstanden hatte. Aber er hätte ihr doch zu gern geglaubt!
"Da hilft nichts," sprach Lisa weiter, "wir müssen sie fragen!" - "Was ich gesagt hab!" Mona war richtig stolz auf sich, daß man nun zu ihrem ersten Vorschlag zurückkam. "Wir müssen sie nur hervorholen!" - "Pegasus, ich würde es trotzdem für besser halten, du hältst dich etwas im Hintergrund, wie gesagt, sie sind unseren Mäusen nicht unähnlich und ich weiß nicht, wie sie auf den Anblick einer Katze reagieren. "Also doch!" knurrte Pegasus, aber ohne zu widersprechen machte er sich nur allzugern unsichtbar und verschwand drei Büsche weiter.
"Wir sollten klopfen!" schlug Lisa vor und sogleich machten sich der Weihnachtsmann mit seinen schweren Stiefeln und auch Mona mit ihrem linken Vorderhuf daran, die Käsianer aus ihrem unterirdischen Versteck hervorzulocken. Drei-, viermal klopften sie kräftig auf den Boden, dort, wo Lisa die Stimmen in der Erde gehört hatte. Zunächst geschah nichts!
Da plötzlich hob sich ein kleiner Kieselstein direkt vor ihnen und zum Vorschein kam der kleine Kopf einer Maus. Sie hielt eine Waffe - so ähnlich wie ein Gewehr, erkannte Mona - in den Händen und einen kleinen Helm auf dem Kopf. Als sie jedoch unsere Freunde erblickte, verschwand der Kopf sofort wieder. Mona und der Weihnachtsmann versuchten ihr Glück aufs Neue. aber wieder war nur für einen kurzen Moment der Kopf von einer Maus zu sehen, die dann sofort wieder verschwand. "So hat es keinen Sinn!" ärgerte sich Lisa. "Wir sind zu groß für sie, wahrscheinlich haben sie Angst!" - "Ha! Angst, daß ich nicht lache!" war Pegasus aus dem Hintergrund zu hören. Aber darauf reagierte keiner, nur Lisa warf einen wütenden Blick in seine Richtung.
"Ich werde sie rufen," entschied sie, "vielleicht verstehen sie mich und glauben unsere guten Absichten!" Lisa überlegte angestrengt und dann gab sie etwas in Richtung Boden von sich, was eher wie eine Mischung aus Piepstönen und chinesisch klang als nach einer Sprache. Sie machte eine kurze Pause und dann "piepste" sie noch mal drauflos, so laut sie konnte. Stille! Nichts war zu hören, nichts zu sehen!
"Was hast du ihnen gesagt?" fragten Mona und der Weihnachtsmann wie aus einem Munde. "Hallo, ihr da unten, könnt ihr uns hören? Ich bin Lisa und bei mir sind meine Freunde. Ich habe gehört, daß ihr Probleme habt, wir sind hier, um euch zu helfen! - oder so ähnlich," sagte Lisa mißmutig, "ich bin nicht sicher, ob sie das auch so verstanden haben, mein käsianisch ist schon sehr eingerostet!" - Aber kaum hatte sie das letzte Wort gesprochen, da hob sich wieder der kleine Kieselstein. Diesmal verschwand der Kopf nicht gleich wieder, im Gegenteil, ein paar Zentimeter daneben zeigte sich unmittelbar darauf noch ein Kopf und dann noch einer und noch einer. Unsere Freunde und die Käsianer starrten sich eine Weile schweigend an. Dann vernahmen sie ein leises Piepsen: "Wer von euch hat da gesprochen?" - "Ich!" piepste Lisa auf käsianisch und sie war stolz, daß man sie verstanden hatte.
(Anmerkung: Im folgenden Text werde ich wegen der besseren Verständlichkeit die gesprochenen Texte immer sofort aus dem Käsianischen ins Deutsche übersetzen!)
"Wer seid ihr, daß ihr unsere Sprache versteht?" und Lisa begann weit ausholend ihre Geschichte zu erzählen und Mona blieb es nicht verborgen, daß sie dies nicht ohne Stolz tat, auch bemerkte sie, daß Lisa je länger sie redete immer sicherer in der Sprache der Käsianer sprach.
Es verging eine geraume Zeit, in der Mona und der Weihnachtsmann nur schweigend zuhören konnten ohne ein Wort zu verstehen. Doch endlich wand sich Lisa wieder an sie und wiederholte kurz - so kurz es Lisa möglich war - worüber sie geredet hatten. Offensichtlich waren die Käsianer so eine Art Kundschafter, die im Auftrage ihres Herrschers, sie nannten ihn den GROSSEN KÄSE, herausbekommen sollten, wer hier oben stünde, wieso er käsianisch sprach und ob man ihm vertrauen könne. Offensichtlich hatten sie selbst aber nichts gesagt, weder, wer sie sind, noch warum sie hier waren. Lisa war sich auch nicht sicher, ob die Käsianer ihr geglaubt hatten und ob sie ihnen vertrauen würden. Doch das sollten sie bald erfahren.
Wieder verstrichen unendliche Momente, so schien es jedenfalls den Freunden, als sich plötzlich mehrere Kieselsteine wie von selbst zu bewegen schienen. Und plötzlich standen an die dreißig bewaffnete Käsianer vor ihnen. Sie bildeten ein Spalier und dort erschien plötzlich wie mit einem unterirdischen Fahrstuhl hochgeschossen ein weiterer Käsianer. Es gab keinen Zweifel, das mußte er sein: der GROSSE KÄSE!
Er war schon eine imposante Erscheinung. Er überragte alle anderen Käsianer mindestens um eine halbe Kopflänge und erinnerte schon von daher eher an eine Ratte, als an eine Maus, was Pegasus aus seinem Versteck sofort und mit gesträubten Nackenhaaren feststellte. Seine Kleidung entsprach zwar der der anderen Käsianer, nur, daß sie nicht silbrig, sondern rotmetallisch schimmerte. Wem das aber alles noch nicht als Beweis genügte, der brauchte nur in seine Augen zu schauen! Das waren die Augen eines Herrschers, eines mächtigen Herrschers: Das war der GROSSE KÄSE!! Hinter ihm kamen zwei weitere Käsianer, die ebenfalls anders angezogen waren, ihre Anzüge hatten einen himmelblauen Schimmer, es mußten so eine Art Minister oder Berater des großen Herrschers sein.
Diese waren es auch, die das Wort an Lisa richteten. Es folgte ein längeres Gespräch, in dem es wieder um dieselben Fragen ging, wie in dem ersten. "Genug!" schaltete sich plötzlich unvermittelt der GROSSE KÄSE in das Gespräch ein, "Es ist genug geredet. Ich glaube ihnen! Erzählt ihnen von unserem Problem!" Doch als die Berater des Herrschers wieder zu piepsen begannen, da dauerte es nicht lange und Lisa platzte in der ihr eigenen Art der Kragen: "Nun sagt doch endlich klar, was ihr wollt!" Aber sie rief es glücklicherweise nicht in käsianisch. Die beiden Berater schauten sich irritiert an, aber wieder schaltete sich der GROSSE KÄSE ein "Ich bitte die Sprache meiner beiden Minister zu entschuldigen, aber sie sind sonst immer nur mit Staatsmännern in Staatsgeschäften gefaßt. Vielleicht sollten wir uns besser unterhalten, junges Fräulein!" gab er in einwandfreiem Deutsch von sich. Lisa und die Freunde waren sprachlos. Wieso sprach der GROSSE KÄSE ihre Sprache? "Warum schauen sie so verblüfft," fragte der GROSSE KÄSE, "ich bin nicht das erste Mal auf ihrem Planeten. Und ich bin sehr sprachbegabt, nicht umsonst bin ich ihr Herrscher. daher weiß ich auch, wie es auf ihrem Planten zugeht. Also, junges Fräulein?!" 'Junges Fräulein' hatte zu Lisa noch niemand gesagt und sie vergaß ihre ganze Keckheit und wurde plötzlich lammfromm, was für sie sehr ungewöhnlich war.
"Ja, ähh, bitte, eure Majestät, ähh, womit können wir ihnen dienen? Was für ein Problem haben sie?" stammelte sie.
"Ach, lassen wir doch die Höflichkeiten", erwiderte der GROSSE KÄSE, "also, ich will es versuchen in aller Kürze zu erklären. Wie sie ja mittlerweile wissen dürften, stammen wir vom Käseplaneten, der weit außerhalb ihrer Milchstraße liegt. Er besteht - und darin liegt auch unser Hauptproblem - aus Käse! Unglücklicherweise ist Käse aber auch unsere Leib- und Magenspeise. Also haben wir nur sehr kurz auf der Oberfläche unseres Planeten gelebt. ..." _ "Ja, und darum haben sie sich unterirdische Stollen in den Käse gefressen, ähh, gebaut und haben unter der Oberfläche gelebt!" fiel ihm Mona ins Wort, der das alles immer noch nicht schnell genug ging. Mit einem gnädigen verzeihenden Lächeln, wie es mächtige Herrscher lieben, fuhr der GROSSE KÄSE fort: "Richtig, alles was wir brauchten machten wir auch aus Käse, so auch unsere Raumschiffe, mit denen wir bei euch gelandet sind. Aber eines Tag.... " mit einem entsetzten Gesicht brach der GROSSE KÄSE mitten im Satz ab, er rief etwas auf käsianisch und blitzartig waren alle Käsianer wieder unter der Erde verschwunden! -

weiter geht es im 2. Teil