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26.09.2018

Schneechaos

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SCHNEECHAOS

Drei Tage vor Weihnachten fing es an zu schneien. Eigentlich war es in der Gegend hier nicht üblich. Es gab sonst immer nur Schmuddel- oder Frühlingswetter um diese Jahreszeit.
Die Kinder freuten sich natürlich. Auf den Strassen herrschte Verkehrschaos, weil viele Leute noch ihre letzten Weihnachtseinkäufe erledigen wollten.
Auch Gabi war an diesem Tag unterwegs. Sie hatte vor ein paar Wochen erst ein kleines Lokal eröffnet. Die Anlaufzeit war schwierig. Im Herbst ein Lokal zu eröffnen, war eigentlich eine blödsinnige Idee gewesen, aber es hatte sich angeboten. Die Konditionen waren sehr gut. Die Einrichtung war vorhanden, die Pacht war recht niedrig und Gäste kamen eigentlich auch genug.
Aber jetzt in der Vorweihnachtszeit kamen viele, wenn überhaupt nur auf ein, zwei Bier und eine kleine Mahlzeit in ihr kleines, gemütlich und rustikal eingerichtetes Lokal. Na, ja, dachte sie sich, ich will nicht klagen, anderen geht es viel schlechter als mir.
Elke, die Freundin, die ihr in dem Lokal immer half, war schon dort, um für Ordnung zu sorgen. Sie hatte ihre Weihnachtseinkäufe schon in der letzten Woche erledigt. Nur verpackt werden musste noch alles.
Die Weihnachtsdekorationen auf den Tischen benötigten neue Kerzen und Wasser. Die Tischtücher mussten ausgewechselt werden. Alles das machte Elke jetzt, noch bevor Gabi kam und das Essen vorbereitete. Nur gut, dass wir erst nachmittags öffnen, dachte sich Elke, so haben wir doch ein wenig Zeit um alles fertig zu machen.
Als sie aus dem Fenster schaute und sah, dass es schneite, ging sie hinaus und hielt das Gesicht dem Schnee entgegen. Schön, dachte sie sich, hoffentlich bleibt ein bisschen davon bis Weihnachten liegen. Sie war in Gedanken versunken, darum merkte sie auch nicht, dass ein junger Mann auf dem Gehweg vergeblich versuchte, auf den Beinen zu bleiben, denn es war doch sehr rutschig geworden. Sie bemerkte ihn erst, als er ihr direkt vor die Füße fiel und anfing, fürchterlich zu schimpfen.
"So ein Mist, und das heute, an meinem letzten Arbeitstag." Elke fing an zu lachen; es sah aber auch zu ulkig aus, wie er da auf dem Gehweg lag und vergeblich versuchte, wieder aufzustehen. "Richtiges Schuhwerk sollte man bei diesem Wetter auch anziehen," sagte Elke und lachte immer noch. " Kommen Sie her, ich heb sie auf!" Das sollte ein Scherz sein, den der junge Mann gar nicht lustig fand. "Ha, ha, sehr witzig. Aufstehen kann ich selber und das richtige Schuhwerk hätte ich angezogen, wenn es schon geschneit hätte, als ich von zu Hause losging. Mein Auto ist unterwegs einfach liegen geblieben, wahrscheinlich, weil es den Schnee auch nicht mag. Und jetzt muss ich mich sputen, dass ich zur Arbeit komme." "Sie können ja von hier aus in ihrer Firma anrufen, damit man weiß, wo sie sind."
Der junge Mann, der sich als Phillip Krämer vorgestellt hatte, nahm das Angebot dankend an. Elke kochte ihm einen starken Kaffee, während er mit seiner Firma telefonierte. Es wurde ein etwas längeres Gespräch. Nachdem er sich verabschiedet hatte, mit "fröhliche Weihnachten und rutscht gut rein", wie Elke erstaunt bemerkte, kam er an die Theke und grinste über das ganze Gesicht.
"Na, das ist ja heute ein Tag", sagte Phillip, "da hab ich doch glatt einen Tag früher Urlaub bekommen, als ich geplant hatte." "Wieso", fragte Elke. "Na, weil die halbe Firma fehlt, wahrscheinlich sind alle auf die eine oder andere Weise liegen geblieben bei dem Wetter. Mein Chef hat gemeint, dann können wir den Tag auch direkt als Urlaubstag eintragen, denn mit noch nicht einmal der halben Besetzung kriegen wir ja eh nichts richtiges mehr getan." "Na, das ist toll." Elke goss sich auch einen Kaffee ein, nahm sich Milch und Zucker und rührte gedankenverloren in ihrer Tasse.
"Haben sie Kinder?" fragte sie nach einer kleinen Pause. "Ja, zwei Mädels drei und fünf Jahre alt," antwortete Phillip.
"Was meinen sie, wie die sich freuen werden, wenn der Papa heute früher heimkommt und mit ihnen irgendwo rodeln geht!" gab Elke zur Antwort. "Mein Mann und meine Kinder würden sich freuen, wenn ich heute früher nach Hause käme, aber ich muss noch bis zehn Uhr abends arbeiten. Zum Glück sind meine beiden nicht mehr so klein, dass sie nicht alleine Schlitten fahren könnten. Dafür unternehmen wir morgen und übermorgen noch was gemeinsam. Wir backen noch Plätzchen, packen die letzten Geschenke ein und schmücken gemeinsam den Tannenbaum. Nur schade, dass mein Mann auch am Heiligen Abend arbeiten muss. Ich arbeite zwar auch, aber nur vier Stunden."
"Na, das ist doch was," sagte Phillip. "Ich habe extra Urlaub vor Weihnachten genommen, damit ich meiner Frau ein wenig zur Hand gehen kann. Ich nehme ihr gleich, wenn ich nach Hause komme, schon mal die Kinder ab und geh mit ihnen einen Tannenbaum kaufen. Morgen wollten wir noch einmal in den Zoo. Es ist zwar kalt, aber den Kindern macht es Spaß. Ich glaube, ich sollte mich jetzt langsam auf den Weg machen."
"Wie weit ist es von hier bis zu Ihrer Wohnung?" "Ach, zu Fuß sicher nicht länger als eine viertel Stunde. Und jetzt, wo der Schnee etwas dichter ist, werde ich mich wohl nicht mehr auf die Nase legen!"
Beide lachten. Phillip trank seinen Kaffee aus und wollte ihn bezahlen. "Nee, nee, ist schon gut. Der Kaffee war ein kleines Trostpflaster." wehrte Elke ab. Als Phillip aus dem Lokal trat, schneite es viel stärker als vorher.
"Na, das werden hoffentlich tolle weiße Weihnachten!" bemerkte Elke. "Schöne Feiertage und Grüße an ihre Familie.""Ja, danke und ihnen wünsche ich hier gute Geschäfte und für die Freizeit viel Ruhe."
Phillip ging davon und Elke blieb noch in der Tür stehen und sah ihm nach, bis er um die Ecke gebogen war.
Sie war gerade hineingegangen, da hörte sie eine Autotür. Gabi war mit den Einkäufen gekommen.
Oh, Mist, jetzt war sie noch nicht fertig mit den Vorbereitungen. Aber das machte nichts. Sie erzählte Gabi, was sie gerade erlebt hatte. Beide lachten darüber und dann packten sie gemeinsam die Lebensmittel aus, räumten alles weg und richteten das Lokal her. Elke entzündete alle Kerzen auf den Tischen und knipste die elektrische Beleuchtung an dem kleinen Tannenbaum an, der in der Ecke des Lokals stand.
So, jetzt konnten sie sich auf einen Plausch hinsetzen und in Ruhe einen Kaffee trinken. Gabi erzählte von dem Verkehrschaos, welches heute auf den Straßen herrschte und das Gedränge und Geschiebe in den Geschäften, und Elke berichtete noch einmal in voller Länge von ihrem Erlebnis mit Phillip Krämer, dem netten jungen Mann, der ihr vor die Füße gefallen war.
Dann mussten sie in die Küche, um die Mahlzeiten vorzubereiten, die heute auf der Speisekarte standen.
Als ob dieser Phillip Krämer ein gutes Omen gewesen wäre, füllte sich ihr kleines Lokal bis auf den letzten Platz und als es zehn Uhr abends wurde und Elke eigentlich Feierabend gehabt hätte, waren noch soviel Gäste da, dass Gabi sie bat, noch etwas zu bleiben. Nach Mitternacht waren dann endlich die letzten Gäste nach Hause gegangen und Gabi und Elke schlossen hundemüde, aber zufrieden, das kleine Lokal zu und fuhren nach Hause. Später, als Elke schon im Bett lag, dachte sie über den vergangenen Tag nach und fand, dass er etwas besonderes war. Irgendwas war geschehen. Nur was, das wusste sie nicht so genau. Der Tag war ganz anders gewesen als alle anderen. Trotz Schneechaos, vollen Geschäften und einem sehr anstrengenden Tag war sie den ganzen Tag lang ruhig und gelassen geblieben. Na ja, in zwei Tagen war Weihnachten!
Als sie am anderen Morgen aufwachte und aus dem Fenster sah, freute sie sich, dass der Schnee liegen geblieben war. Heute würde sie früher zur Arbeit fahren müssen, damit sie pünktlich war. Gabi und sie hatten gestern nur noch aufgeräumt, aber nicht mehr geputzt und das musste schließlich getan werden, bevor neue Gäste kamen. Nur, sie brauchten heute keine Einkäufe einräumen und keine Salate putzen . Gabi wollte heute einen Super-Eintopf kochen, der bestimmt von allen Gästen gerne angenommen würde. Gut, dafür hatten sie gestern schon vorgearbeitet, aber die Kartoffeln dafür mussten noch geschält und kleingeschnitten werden, dann war er schon fertig.
Als Gabi und Elke ihr Lokal um 17 Uhr öffneten, war alles bereit. Vorausschauend hatten beide auch einen Topf Glühwein und eine große Kanne Kaffee vorbereitet.
Elke hatte zwei Christstollen gekauft und schon teilweise angeschnitten.
Am Morgen hatte sie mit ihren Kindern Weihnachtsplätzchen gebacken. Davon hatte sie auch eine Dose voll dabei, die sie in kleine Schüsselchen legte und dann auf den Tischen verteilte.
Langsam füllte sich das Lokal. Einige Gäste wollten nur Kaffee und Christstollen, einige fragten nach Glühwein und alle freuten sich über das Weihnachtsgebäck.
Es war richtig feierlich, einen Tag vor dem Heiligen Abend. Gegen 19 Uhr ging die Tür auf und ein junges Ehepaar mit zwei Kindern kam herein.
Es war dieser Phillip Krämer mit seiner Familie. Er machte alle miteinander bekannt: "Hallo, Elke, das ist meine Frau Sigrid und meine beiden Mädels Jessica und Denise. Und das ist Elke, die Frau, die mich gerettet hat." sagte er zu seiner Frau gewandt. "Das ist Gabi, meine Chefin," bemerkte Elke mit einem Blick hinter die Theke, wo Gabi gerade ein paar Biere zapfte. "Guten Abend, ich freue mich, dass sie uns besuchen. Was darf ich ihnen bringen?" fragte Gabi. Während Phillip mit seiner Familie einen freien Tisch ansteuerte, sagte er: "Zweimal Kaffee und wenn sie haben, zweimal heißen Kakao. Und später möchten wir noch etwas essen. Wir haben einen Bärenhunger." Auch die Familie Krämer wollten den Eintopf und alle bekamen ihre Portion, von denen nichts übrig blieb.
Nachdem die Familie Krämer nach Hause gegangen waren, hatte sich das Lokal schon so weit geleert, dass sie eine halbe Stunde später Feierabend machen konnten. Diesmal putzten beide noch ordentlich und richteten alles für den Heiligen Abend her. Morgen würde das Lokal um 11 Uhr öffnen und um 16 Uhr schließen, damit auch Gabi und Elke mit ihren Familien den Heiligen Abend zu Hause verbringen konnten.
Am 24. Dezember schneite es erneut. Nicht so stark wie zwei Tage zuvor, aber leise und stetig. Es war, als wäre es in der ganzen Stadt trotz der Hektik die herrschte, etwas stiller geworden. Der Schnee dämpfte die Geräusche wohltuend.
Heute wollte Elke schon um sieben Uhr die letzten Einkäufe machen, um dann Gabi noch für die paar Stunden, in denen das Lokal geöffnet hatte, zur Hand zu gehen. Es wurde ein ruhiger Tag. Es kamen nicht allzu viele Gäste. Einige kamen nur noch, um sich aufzuwärmen und einen Kaffee oder ein Glas Glühwein zu trinken. Alle wurden von Gabi und Elke mit einem kleinen Weihnachtsgeschenk nach Hause entlassen. Um fünf Uhr kam Elke nach Hause. Sie war erstaunt, weil es sauber war im Haus und sehr ruhig. Sie wusste, dass sie noch hätte putzen müssen, aber offenbar hatte das jemand anderer für sie übernommen. Der Weihnachtsbaum wollte auch noch geschmückt werden. Das würde sie später mit ihren Kindern erledigen. Aber da ja schon geputzt war, ging sie in die Küche, um sich einen Kaffee zu kochen und die Füße ein bisschen hochzulegen. Wie erstaunt war sie, als sie sah, dass der Küchentisch liebevoll gedeckt war. Alle vier Kerzen brannten am Adventskranz, eine Thermoskanne stand bereit, eine Schüssel mit den selbst gebackenen Plätzchen und ein Gedeck standen bereit, so dass sie sich nur noch zu setzen brauchte. Sie lächelte. Es waren ihre Kinder und ihr Mann gewesen, die alles hergerichtet hatten. Schön war das, wenn man sich auf die Familie verlassen konnte.
Aber warum war es so still. War denn niemand zu Hause? Na, ja, vielleicht haben sie noch nicht mit mir gerechnet, dachte Elke und biss genüsslich in einen Keks.
Erst mal mach ich jetzt eine Pause, dann pack ich die Päckchen ein und schmücke den Baum. Bis dahin dürften die Herrschaften wieder zu Hause sein.
Nachdem sie ihren Kaffee getrunken hatte, stand sie auf, um ins Wohnzimmer zu gehen. Elke freute sich darauf, die Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder und ihren Mann einzupacken. Mit dem Schmücken des Tannenbaumes wollte sie warten, bis der Rest ihrer Familie wieder da war. Aber alles bereit stellen, das konnte sie schon.
Die Wohnzimmertür war zu. Komisch, dachte sie, sonst ist sie nie zu. Sie öffnete die Tür und blieb erstaunt stehen. Der Baum war geschmückt, unter dem Baum lagen Geschenke, eine Flasche Sekt und vier Gläser standen auf dem Tisch. Sie schaute sich die Geschenke an. Zum Glück hatte man ihre Geschenke noch nicht entdeckt. Sie holte sie, nahm sich Geschenkpapier und Klebeband, packte die Geschenke ein, die sie für ihre Lieben besorgt hatte und stellte sie auch unter den Tannenbaum. Dann steckte sie den Stecker für die Lichterkette in die Steckdose und machte das Deckenlicht aus. So, jetzt konnte ihre Familie aber wirklich kommen. Sie hatte kaum zu Ende gedacht, da öffnete sich die Haustür und ihre beiden Kinder kamen hereingestürmt. Etwas gemächlicher kam ihr Mann zur Türe herein. "Na, ist die Überraschung gelungen?" fragte er. "Na und wie" gab sie zur Antwort. "Das war die schönste Überraschung, die ihr mir machen konntet. Danke!"
Sie umarmte ihren Mann und ihre Tochter. Ihr Sohn war unterdessen ins Wohnzimmer gelaufen und hatte heimlich den CD-Player gestartet. Das schönste aller Weihnachtslieder ertönte jetzt durch die Wohnung: Stille Nacht!
Plötzlich hatte Elke Tränen in den Augen. "Das ist das schönste Weihnachten seit Jahren, trotz der vielen Arbeit, die ich durch Gabis Lokal habe. Jetzt wird aber beschert!" Sie schniefte etwas und rieb sich die Tränen aus den Augen. Die Geschenke wurden ausgepackt und ihr Mann öffnete die Sektflasche. "Auf uns", sagte er und alle stießen miteinander an.
Elke wollte in die Küche. "Ich mach jetzt Abendessen," sagte sie im Hinausgehen.
Die Kinder und der Vater grinsten sich verstohlen an und sagten: "Na, dann mach mal."
Sie öffnete die Kühlschranktür und wollte das Fleisch herausholen. Aber was sie da sah, verschlug ihr wirklich den Atem. Eine Platte mit den feinsten Appetithäppchen lag dort drin, eine Schüssel mit Kartoffelsalat stand daneben.
Während sie das Essen aus dem Kühlschrank holte, deckte ihr Mann den Tisch.
Nach dem Essen wurde noch ein wenig ferngesehen und dann gingen sie schlafen. Sie dachte: Das war eine wunderschöne Zeit. Und dieser heilige Abend war mein bisher schönster. Und mit diesem Gedanken schlief sie ein.
ENDE