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Zuletzt aktualisiert
20.03.2018

Eine seltsame Geschichte

Gefunden auf www.weihnachtsstadt.de
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von Heidi Subera

Als der kleine Martin am Sonntag morgen aufwachte und sich umschaute, war irgendwas ganz komisch. In seinem Zimmer stimmte etwas nicht. Er konnte aber nicht sagen, was es war. Die Spielzeugkiste war an ihrem Platz und die Eisenbahn stand auch noch auf ihren Schienen. Seltsam. Martin setzte sich auf und blickte noch einmal rund herum. Er konnte nichts entdecken. Da auf dem Regal neben dem Bett hatte er wie immer seine Stofftiere aufgereiht. Moment mal! Saßen die nicht anders als gestern abend? Martin kniff die Augen zu und machte sie wieder auf. Es war alles genau so wie vor einem Augenblick. Er kletterte aus dem Bett und lugte vorsichtig darunter. Heh! Was war denn das? Da lagen lauter Papierschnitzel unter dem Bett und ein kleiner Stoffesel war auch auf den Boden gefallen! ' Ich habe das aber nicht gemacht ' dachte Martin bei sich. Er holte schnell seinen Papierkorb, sammelte die Schnipsel ein und setzte den Esel wieder auf das Regal. Dann zog er seine blaue Hose und sein rotes T-Shirt an. Das konnte er schon, er war ja schon ein großer Junge. Immerhin schon fünf Jahre, drei Monate und zehn Tage. Martin warf noch einen kurzen Blick zu den Stofftieren. Er war sich sicher, sie saßen anders als gestern!
Schnell schlüpfte er in seine Turnschuhe und lief aus dem Zimmer, die Stufen hinunter und in die Küche. Seine große Schwester und die Mutter waren schon auf. Die Mutter kochte Kaffee und Kakao, Karin, so hieß seine Schwester, strich Butter auf die Frühstücksbrötchen, die herrlich dufteten.
"Schön, daß du schon auf bist" sagte die Mutter. "Das Frühstück ist schon fertig". Martin setzte sich zum Tisch, der schon gedeckt war. "Du, Mutti, hast du heute in der Nacht nichts gehört? " begann Karin. "Da hat irgendwas einen ziemlichen Lärm gemacht" "Wie meinst du das?" fragte die Mutter. "Was für einen Lärm?" "Ich weiß es auch nicht, aber zuerst hat es gekratzt und dann gescheppert" antwortete Karin. " Und bei mir unter dem Bett sind gaaanz viele Papierschnipsel gelegen. Ich hab sie aber schon weggeräumt!" krähte Martin dazwischen. " Ehrlich, Mutti, ich war das nicht!"
Die Mutter meinte, sie hätte nichts gehört. "Im Gegenteil, ich habe heute sehr gut geschlafen." sagte sie. "Aber wir werden Papa fragen, wenn er aufgestanden ist".
Kurz darauf erschien der Vater in der Küche. "Ich habe einen Bärenhunger, ich könnte ein ganzes Wildschwein aufessen" rief er. Die Mutter goß Kaffee in eine Tasse und servierte ihn dem Vater zusammen mit einem frischen Brötchen. "Hmmm, wie gut das riecht, einfach köstlich. Kann ich bitte etwas Marmelade haben? Auf diesen Brötchen brauche ich unbedingt Marmelade ".Sein Vater ließ sich das Frühstück schmecken. Nachdem alle gegessen hatten, räumte die Mutter den Tisch ab, Karin wusch das Geschirr und der Vater griff sich die Zeitung. Gerade als er zu lesen beginnen wollte, zupfte ihn Martin am Ärmel: "Papa, hast du heute Nacht nichts gehört?" fragte er. "Nein" antwortete der Vater, "eigentlich nicht,... doch! Da hat mich einmal ein Geräusch geweckt. Es war ein Kratzen. Hat sich angehört, als wollte die Katze in dein Zimmer". " Nein, das kann nicht stimmen, weil die Katze heute Nacht bei mir geschlafen hat" sagte Karin. "Ich weiß, du willst es nicht, Mutti, aber was hätte ich denn tun sollen. Sie hat so laut miaut, da habe ich sie rein gelassen". "Ist ja auch egal, wird schon irgendwas gewesen sein.", meinte der Vater. "Geht spielen, aber macht nicht so viel Lärm, heute ist Sonntag!"
Als Martin wieder in sein Zimmer kam, schaute er als erstes unter sein Bett. Als er nichts Verdächtiges feststellen konnte, begann er die Eisenbahn aufzubauen. Ein Bahnhof mußte her und die Brücke, dann stellte er Bäume dazu und einen Zaun. Hinter dem Zaun plazierte er ein paar Pferde, Kühe waren auch dabei und ein Bauernhof mit Traktoren, Anhänger und allem, was halt so zu einem Bauernhof gehört. Martin ließ Autos fahren, der Zug fuhr in den Bahnhof ein, in Martins Phantasie stiegen Leute ein, andere wiederum aus. Der Schaffner pfiff auf seiner Trillerpfeife und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Martin war so in sein Spiel vertieft, daß er nicht bemerkte, daß Etwas blitzschnell durch sein Zimmer vom Regal in Richtung Fenster huschte. Was das wohl war?
Der kleine Junge sah erst von seinem Spiel auf, als die Mutter zum Mittagessen rief. "Was, so spät ist es schon wieder?" rief er ." Ich komme gleich, Mutti". Schnell räumte er seine Spielsachen weg, stellte die Autos samt Schachtel auf das Regal. Was war das? Da lagen ja schon wieder Papierschnipsel auf dem Boden! Martin verstand die Welt nicht mehr. ' Ich habe doch alle Papierschnipsel weggeräumt und in den Papierkorb getan.' dachte Martin. Er guckte im Papierkorb nach. Da waren aber keine Schnipsel mehr drinnen. "Mutti, bitte komm schnell in mein Zimmer, da ist was echt Komisches!" rief Martin. Als die Mutter in sein Zimmer kam, war Martin ganz aufgeregt. "Heute Morgen ist ein Stofftier am Boden gelegen und unter dem Bett waren lauter Papierschnipsel. Hab ich aber alles aufgeräumt, ehrlich! Und jetzt sind schon wieder welche da. Schau! Die Schnipsel, die ich weggeworfen habe, sind nicht mehr im Papierkorb, die liegen schon wieder am Boden!" Die Mutter zog die Augenbrauen in die Höhe und warf ihrem Sohn einen strengen Blick zu. "Martin, für so einen Unfug ist mir die Zeit zu schade. Ich habe auch noch was anderes zu tun, als mir solche Geschichten anzuhören. "Aber es stimmt!" beteuerte Martin. "Ich habe gestern abend ja gar kein Papier gebraucht. Mit den Stofftieren habe ich auch nicht gespielt und trotzdem ist eines am Boden gelegen." "In Ordnung. Laß es gut sein. Ach Martin, würdest du bitte dein Fenster schließen? Es ist mittlerweile doch schon ziemlich herbstlich." Die Mutter lächelte ihrem Kind zu und ging wieder in die Küche, um die Jause vorzubereiten. Martin war sehr verwundert, er war sich jetzt gar nicht mehr so sicher, ob er nicht doch mit den Stofftieren gespielt, oder Etwas aus Papierresten gebastelt hatte. Nein, das wüßte er doch. Kopfschüttelnd ging auch er in die Küche.
Etwas später kam der Vater vom Garten zurück. "Stellt euch vor, was ich draußen gesehen habe." sagte er und machte ein geheimnisvolles Gesicht. Martin guckte ihn ganz neugierig an: "Sag schon, was hast du denn gesehen, bitte, ich bin schon so neugierig!" bettelte Martin. "Ihr wißt ja, daß schon sehr viele Blätter von den Bäumen gefallen sind. Der wilde Wein, der an unserer Mauer hoch wächst, ist auch schon ziemlich nackt. Na, ich war gerade dabei, das Laub zusammen zu rechen, da habe ich an der Hauswand, wo der Wein ist, ein Rascheln gehört. Was glaubt ihr, habe ich gesehen? Ein Eichhörnchen! Es ist da herum geklettert, es hat so ausgesehen, als wollte es in dein Zimmer, Martin." "Echt, ein Eichhörnchen?" rief Martin begeistert. "Wollte es wirklich in mein Zimmer?" "Na, ja, es hat jedenfalls so ausgesehen." antwortete der Vater.
"Moment mal," mischte sich die Mutter ein, "das würde die seltsamen Dinge in Martins Zimmer erklären. Martin hat heute Morgen lauter Papierschnipsel auf dem Boden gefunden. Das Fenster war auch offen. Könnte es sein, daß...?"Der Vater nickte nachdenklich. " Daß es hinein geklettert ist? Das wäre natürlich möglich. Da wir die Eichhörnchen bis jetzt ja nie in irgendeiner Weise erschreckt haben, sind sie auch nicht besonders ängstlich. Natürlich ist so was ungewöhnlich, könnte aber durchaus sein." "Toll" rief Martin. Er fand den Gedanken, ein Eichhörnchen in seinem Zimmer zu haben, irrsinnig aufregend. Ob man so ein Tierchen wohl als Haustier haben könnte?
Martin muß wohl so einen Ausdruck in seinem Gesicht gehabt haben, denn in diesem Augenblick sagte der Vater: " Martin, so ein Eichhörnchen ist kein Kuscheltier, weißt du? Man kann ein Tier, welches die Freiheit gewohnt ist, nicht in einen Käfig sperren, das würde es sehr unglücklich machen" Martin verzog das Gesicht. " Ich hab ja gar nichts gesagt, Papa, aber lustig wäre es schon."
Man kam zu dem Entschluß, daß man das Fenster in Martins Zimmer über Nacht wieder öffnen würde, ein paar Nüsse auf den Boden legen und am Morgen, wenn die Nüsse fort wären, hätte man Gewißheit, daß es das Eichhörnchen war, welches die Unordnung veranstaltet hatte.
Genau so geschah es dann auch. Am Abend, als es Schlafenszeit war, deponierte Martin einige Nüsse auf dem Boden, öffnete das Fenster, nur einen Spalt, gerade so weit, daß ein Eichhörnchen durch schlüpfen konnte und legte sich schlafen. Am nächsten Morgen, als Martin aufwachte, schaute er sofort nach, ob die Nüsse noch da waren. Und wirklich! Alle Nüsse waren verschwunden! Martin freute sich. Hatte er doch schon gedacht, irgend ein Kobold hätte in seinem Zimmer Quartier bezogen und ihm einen Streich gespielt. Er seufzte erleichtert auf. Gleich beim Frühstück erzählte er den Eltern, daß alle Nüsse weg waren. "Na, dann hätten wir ja den Missetäter entlarvt." stellte der Vater fest.
Alle mußten lachen, weil so eine seltsame Sache passierte nicht alle Tage. Von da an legte Martin jeden Abend einige Nüsse auf sein Fensterbrett, damit das Eichhörnchen sie mitnehmen konnte. Das Fenster allerdings machte er fortan immer zu... !